Foto: Kay Pinnow
Hinter den Spiegeln
Kunst als Suche nach dem Verborgenen
"Meine Kunst entsteht an den Grenzen der Wahrnehmung – dort, wo Bilder nicht zeigen, sondern verbergen, auslassen und fragmentieren. Mich interessieren die verborgenen Schichten der Welt: BrĂ¼che, Leerstellen und Spannungen, die sich dem schnellen Sehen entziehen. Meine Arbeiten sind keine Abbilder, sondern Prozesse. Sie entstehen im Wechsel von Aufbau und Auflösung,Verdichtung und Auslöschung. Linien, Fragmente und Ăœberlagerungen verweisen auf Erinnerung, körperliche Erfahrung und das, was in der visuellen Wahrnehmung ausgeblendet bleibt. So werden Bilder zu sensiblen Oberflächen – zu einer Art visueller Haut, die schĂ¼tzt, berĂ¼hrt und zugleich verletzlich ist. Schönheit und Aggression, Harmonie und Störung sind dabei keine Gegensätze, sondern miteinander verflochten. Mich interessiert nicht die Auflösung von WidersprĂ¼chen, sondern das Aushalten ihrer Spannung. Meine Arbeiten laden dazu ein, sich einzulassen: sich zu verlieren, sich wiederzufinden und die eigene Wahrnehmung zu befragen. In den Bruchstellen des Sichtbaren eröffnet sich fĂ¼r mich eine andere Form von Erkenntnis – leise, offen und nicht verfĂ¼gbar."

" Das Wort Poesie bezeichnet im Werk von Matthias Oppermann den Bildentstehungsprozess. Seine Bilder drĂ¼cken ihn aus, alle, mehr oder weniger. Dieser psychoanalytische Zugriff auf seine Bilder ist ein methodischer Zugriff auf ihren Entstehungsprozess und seine Wirkung. Und so wird und ist dieser Zugriff selbst Thema seiner Werke. Durch den gesamten Schaffensprozess von Matthias Oppermann zieht sich ein Dualismus von Innen und AuĂŸen. Der Bildentstehungsprozess ist ein ständiges Hin und Her zwischen diesen beiden Seiten. Mit diesem "Hineingehen" ins und "Heraustreten" aus dem Bild, bringt er, wie er selbst sagt "einen Rhythmus ins Bild". Ihm geht es darum, den Augenblick lebendigen Verlangens, in dem Innen und AuĂŸen fĂ¼r einen kurzen Moment zugleich spĂ¼rbar sind, in seinem Werk immer wieder zum Ausdruck zu bringen"
Andreas Gierth ( 2014, Philosoph)
Matthias Oppermann

KĂ¼nstler - Psychoanalytiker
An den Grenzen der Wahrnehmung

Matthias Oppermanns kĂ¼nstlerischer Weg begann frĂ¼h mit einer Erfahrung intensiven Sehens. Als Kind wurde er dazu angehalten, Bilder nicht nur zu betrachten, sondern sich ihnen auszusetzen. Diese frĂ¼he Schulung der Wahrnehmung öffnete einen Raum, in dem Bilder, Sprache und Vorstellung ineinandergriffen. Erste Gedichte entstanden aus absichtsvollen BrĂ¼chen und absurden VerknĂ¼pfungen – als Versuch, Wirklichkeit in ihrer Spannung zu begreifen.
Aufgewachsen in einem bĂ¼rgerlichen Umfeld, war Oppermann frĂ¼h mit widersprĂ¼chlichen Bildern konfrontiert: idealisierte Vorstellungen von Liebe und Sicherheit standen den Erzählungen von Krieg, Gewalt und Verlust gegenĂ¼ber. Diese Spannungen prägten sein Interesse an dem, was unter der Oberfläche sichtbar wird – oder bewusst unsichtbar bleibt. Der Besuch einer surrealistischen Ausstellung im Jugendalter fĂ¼hrte zu der Entscheidung, KĂ¼nstler zu werden.
Parallel zu seinem Medizinstudium in Hamburg entdeckte Oppermann die Psychoanalyse als weiteren Denk- und Erfahrungsraum. Sie vertiefte sein Interesse an Wahrnehmungsgrenzen, inneren Bildern und dem Nicht-VerfĂ¼gbaren. Heute verbindet er in seiner kĂ¼nstlerischen Arbeit ästhetische Prozesse mit psychoanalytischem Denken. Seine Werke entstehen in langfristigen, offenen Prozessen und kreisen um Fragmentierung, Erinnerung, Auslassung und das Verhältnis von Sichtbarkeit und Verbergen.
Seine Arbeiten fanden Anerkennung in Ausstellungen im In- und Ausland, und er wurde Mitglied der dänischen KĂ¼nstlergruppe RIIMFAXE. Oppermann arbeitete mit Produzentengalerien und veröffentlichte zahlreiche Texte zu den Entstehungsprozessen seiner Werke.

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